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Sonntag, 2019-01-20

Zwillbrocker Venn – Camargue Westfalens

Libellen schwirren durch die Luft. Die lauten Rufe der Lachmöwen durchdringen die Ruhe in der Landschaft. Die Sonne präsentiert die Stärke ihrer Strahlen. Wer jetzt das Feeling Südeuropas spürt, der irrt. Die Situationsbeschreibung stammt aus dem Zwillbrocker Venn, mitten im Münsterland gelegen, kurz vor der niederländischen Grenze. Berühmtheit erlangte dieses abwechslungsreiche Moor- und Heidegebiet, die Camargue Westfalens, durch die nördlichste Brutkolonie des Flamingos in Europa. 1982 siedelten sich die ersten Flamingos an und brüten seitdem auf der Insel im Lachmöwensee. Ursprünglich stammen sie vermutlich aus privater Tierhaltung. Sie überwintern im westlichen Holland und kehren etwa im März in ihr Brutgebiet zurück.

Mehrere Beobachtungstürme und Aussichtskanzeln bieten beste Möglichkeiten zur Flamingobeobachtung, ohne die schönen Vögel zu stören. Die größte Lachmöwenkolonie Mitteleuropas fasziniert die Besucher ebenso. 15.000 Lachmöwen dieser Möwenart fühlen sich im Venn wohl. Auf einem etwa sechs Kilometer langen Rundweg kann der Naturfreund die Besonderheiten des Venns erleben. 1938 wurde das Zwillbrocker Venn unter Naturschutz gestellt. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde Moor abgebaut. Dann endete der bäuerliche Torfstich. In den Kuhlen sammelte sich das Wasser. Der heutige Lachmöwensee entstand. Im Zuge der Wiedervernässung breiteten sich die typischen Moorpflanzen wieder aus. Im Rahmen der Plaggen-Esch-Kultur wurden die Heideflächen im Zwillbrocker Venn früher genutzt. Heute sind nach Aufgabe dieser Nutzungsform nur noch Reste der ursprünglichen Heide erhalten geblieben. Wer nach einer Umrundung des Venns noch Lust verspürt, kann im östlich anschließenden Naturschutzgebiet Ellewicker Feld seltene Vögel beobachten. Im Frühjahr zeigen sich Kiebitz, Großer Brachvogel und Uferschnepfe. Rohrweihe und Baumfalke jagen Libellen und Kleinsäuger. Eine Dauerausstellung in der nahe gelegenen Biologischen Station informiert über die Natur dieser 185 ha großen Naturlandschaft. Auch die Barockkirche im Ort aus dem 18. Jahrhundert lohnt einen Besuch. Sie gilt als die reichste und besterhaltene Kirche mit Barockausstattung im Münsterland. [Text und Bilder: U. Nickel] Bilder zu klein? KLICK