Sie sind hier: Landschaften / Wolbecker Tiergarten
Sonntag, 2019-01-20

Wolbecker Tiergarten

für größere Bilder bitte KLICK

Im südöstlichsten Teil Münsters liegt ein Naturschutzgebiet von europäischem Rang: der Wolbecker Tiergarten. Er gehört zu den ältesten Wäldern Westfalens und war im Mittelalter Jagdrevier der münsterschen Fürstbischöfe. Diese ließen das Waldgebiet mit Wällen und Zäunen umgrenzen, damit das Wild nicht ausbrechen konnte. Auch die Holznutzung spielte eine untergeordnete Rolle, so dass es vor Übernutzungen geschützt war und sich bis heute weitgehend naturnah erhalten konnte.

In Teppes Viertel wurde die Holznutzung bereits 1906 eingestellt, so dass dieser Waldteil auf einer Fläche von 6,3 Hektar 1978 als Naturwaldzelle ausgewiesen wurde. Seitdem entwickelte sich hier ein nahezu unberührter Lebensraum. Im Wolbecker Tiergarten hat sich durch die geringe Holznutzung viel Totholz gebildet, so dass Fledermäuse und Spechte sich hier ausgesprochen wohl fühlen. Besondere Bedeutung erlangt dieses 2003 ausgewiesene Naturschutzgebiet auch durch seine Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder. Diese Lebensräume zählen zu den FFH (Flora-Fauna-Habitat)-relevanten Lebensräumen, die die Europäische Union ausdrücklich schützt.

Die Angel durchfloss das Jagdgebiet in Windungen, Schleifen und Mäandern, so dass sie eine geringe Fließgeschwindigkeit aufwies. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Begradigung vorgenommen. Dadurch erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit. Negative Auswirkungen im Unterlauf sorgten vor 80 Jahren flußabwärts zu einer weiteren Begradigung. Heute stellt sich die Angel recht naturnah dar. In einem zentralen Bereich wirkt sie noch sehr begradigt. Vorgenommene Pflanzungen mit Bäumen, die ihr einen alleeartigen Charakter verleihen, erinnern an die Sünden der Vergangenheit, sind aber durchaus ein willkommener Blickfang.

Als wir eine kleine Exkursion durch den Tiergarten unternahmen, machte der Schwarzspecht durch seine typischen Rufe auf sich aufmerksam. Damit war der Beweis erbracht, dass es sich beim Tiergarten um einen richtigen Spechtwald handelt. Das Vorkommen des Mittelspechts unterstreicht diese Tatsache.

Besonders beeindruckt auch die Donnereiche mit einem geschätzten Alter von 300 Jahren. Mit einem Stammumfang von 470 cm soll sie der älteste Baum des Tiergartens sein. Wer diese Eiche vor sich stehen sieht, blickt voller Respekt und Ehrfurcht zu ihr auf. Kurz inne zu halten und sich auszumalen, was diese Eiche bereits miterlebt hat, erhöht die Anerkennung vor diesem Laubbaum. Sie hat beide Weltkriege überstanden, die napoleonische Zeit überlebt, die Technisierung vor „ihrer Haustür“ mitbekommen, viele Vogelzüge begleitet, Bekanntschaften mit unzähligen Vögeln und Tieren geschlossen und immer wieder ihre Aufgabe erfüllt: Sauerstoff zu produzieren und für die Vermehrung zu sorgen.

Im Frühjahr begeistern die zahlreiche Frühblüher. Im Sommer lassen sich gut Schmetterlinge beobachten. Wer aufmerksam am Ufer der Angel verweilt, erblickt vielleicht den Diamanten unserer Vogelwelt: den Eisvogel.

Der Wolbecker Tiergarten lädt zu einer spannenden Exkursion ein. [ Text und Bilder: U. Nickel ]