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Sonntag, 2019-01-20

Waldhügel

Meist passieren Kurzurlauber Rheine, wenn sie vom Ruhrgebiet nach Ostfriesland fahren. Für naturkundlich Interessierte lohnt sich ein Zwischenstopp kurz vor Rheine. Südlich der größten Stadt des Kreises Steinfurt liegt der Waldhügel, der mit 94 Metern über NN die höchste Erhebung im Stadtgebiet bildet. Für uns war dies ein Grund, den Waldhügel zu erkunden. Winfried Grenzheuser, pensionierter Lehrer und Kenner, leitete die Exkursion, die mehr Teilnehmer verdient gehabt hätte.

Mit 918 verschiedenen Farn- und Blütenpflanzen gehört dieses Naturschutzgebiet mit seinem Umland zu den artenreichsten Naturlandschaften in Nordrhein-Westfalen. Nur Bonn kann laut einer Studie mit einer noch reicheren Naturausstattung punkten. Versteinerte Muscheln, Schnecken, Ammoniten und Seeigel in den Aufschlüssen des Steinbruchs weisen darauf hin, dass es sich bei Kalkschichten um Meeresablagerungen der Unter- und Oberkreide handelt. Seit dem 14. Jahrhundert wird an dieser Stelle Kalk abgebaut. Im Norden der Stadt ist der Kalkabbau bereits abgeschlossen. Ansonsten wird es noch einige Jahre dauern, bis die Kalkindustrie sich hier ganz zurückzieht. Früher wurden die Abbauflächen mit Bauschutt verfüllt. Als erkannt wurde, dass sich hier ökologisch wertvolle Trockenrasenkomplexe gebildet haben, wurde der Waldhügel 1994 zum Naturschutzgebiet erklärt. Seitdem werden Rekultivierungsmaßnahmen durchgeführt, die die Entwicklung einer reichen Pflanzenwelt fördern sollen. Waldmeister-Buchenwald, Orchideen-Buchenwald, Abgrabungsseen und extensiv genutztes Grünland ergänzen das Biotopmosaik. Mit seinen südlich ausgerichteten Hängen gilt der Waldhügel als Wärmeinsel, so dass sich hier Blumen angesiedelt haben, die oft nur im Süden Deutschland oder sogar im Mittelmeerraum beheimatet sind. Bekanntheit erlangte das Gebiet durch das Vorkommen von 14 Wildrosenarten. Besonders die Kleinblütige Rose, die in früheren Roten Listen als verschollen galt, wurde hier wieder entdeckt. Eine wahre Orchideenvielfalt macht das Gebiet auch für Liebhaber der schönsten Pflanzenfamilie zum Mekka. Geflecktes Knabenkraut, beide Waldhyazinthen-Arten, Weißes Waldvögelein, Nestwurz und Zweiblatt zeigen ansehnliche Bestände. Bastarde zwischen den Waldhyazinthen und das Vorkommen der Bienenragwurz sind Besonderheiten, die anderswo bereits lange verschollen sind. Auch die Liste der übrigen Pflanzen liest sich wie ein Hotspot der Botanik. Ackerröte, Echter Steinsame, Purgier-Lein, Pyrenäenstorchschnabel, Rauhaarveilchen, Schlitzblättriger Storchschnabel, Lanzettkratzdistel, Hainklette, Sichelklee, Wilde Sumpfkresse, Quirlblättriger Salbei, Raue Gänsekresse und Steinstorchschnabel sind nur wenige Beispiele. Schafe und Ziegen beweiden die Kalk-Halbtrockenrasen und gewährleisten den Erhalt der Artenvielfalt. [Text und Bilder: U.Nickel] Bilder zu klein? KLICK