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Sonntag, 2019-01-20

Wälder in Nordrhein-Westfalen fit für den Klimawandel machen

NABU NRW: Waldbesitzer, Forstverwaltungen, Jägerschaft und Naturschutz müssen bei der Entwicklung klimastabiler Wälder gemeinsam handeln

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Düsseldorf Für die Wälder Nordrhein-Westfalens war der Orkan Kyrill im Jahr 2007 ein einschneidendes Ereignis, das die Anfälligkeit unserer Waldbestände gegenüber Sturmereignissen verdeutlicht hat. Das Bundesland NRW hatte 2007 die höchsten Schäden im ganzen Bundesgebiet zu verzeichnen. Einschichtige Nadelholzbestände wurden von Kyrill besonders hart getroffen, da sie anfälliger für Windwurf sind als naturnahe Laubmischwälder. Doch auch zehn Jahre nach Kyrill haben die Wälder in NRW den bundesweit höchsten Anteil (>60%) an einschichtigen und damit instabilen Waldbeständen. Hier sieht der NABU NRW weiterhin großen Bedarf, die Entwicklung von naturnahen Wäldern in NRW voranzutreiben.

Wenn wir unsere Wälder auf Klimawandel, Schadstoffeinträge und die hohe Belastung mit Stickoxiden vorbereiten wollen, benötigen wir arten-, alters- und strukturreiche Wälder, erklärt Dr. Dirk Bieker, Sprecher des NABU-Landesfachausschusses Wald. Ein Wald mit horizontalen und vertikalen Strukturen, mit einer breiten Mischung an Baumarten und Altersstadien sowie genügend Wildnisflächen für eine ungestörte Entwicklung bietet nicht nur den optimalen Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen, sondern ist auch die beste Vorbereitung für die schwer zu prognostizierenden Auswirkungen des Klimawandels.

Eine flächige Wiederaufforstung mit fremdländischen Nadelbaumarten ist dabei jedoch keine Lösung, da man so nur den Teufel mit dem Belzebub austreibt und die Komplexität des Ökosystems Wald verkennt, so Bieker weiter. Ebenfalls problematisch für eine Klimaanpassung unserer Wälder sei die aktuelle Wald- und Wildsituation in NRW. Die produktions- und hegeorientierte Forst- und Jagdpolitik der letzten Jahrzehnte hatte schon vor Kyrill überhöhte Schalenwildbestände zur Folge. Bieker: Die Auswirkungen des Orkans haben diese Situation noch einmal verschärft und die  Bestände von Rot-, Dam-, Sika- und Rehwild durch veränderte Biotopstrukturen und erschwerte Jagdbedingungen weiter stark ansteigen lassen, Angepasste Schalenwildbestände seien aber die Grundvoraussetzung für einen zukunftsfähigen Wald in NRW. Denn nur wenn Waldflächen und Wilddichten miteinander im Einklang stünden, könne sich die gesamte Palette heimischer Baum- und Straucharten natürlich verjüngen. „Die aktuellen Strategien zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel sind daher nur mit entsprechend angepassten Wildbeständen zu erreichen, so der NABU-Waldexperte. 

Um weitere Fehlentwicklungen zu verhindern, müssten jetzt alle Beteiligten aus Forstverwaltung, Jägerschaft, Waldbesitz und Naturschutz daran arbeiten Grundlagen für eine natürliche Verjüngung unserer Wälder zu schaffen und damit die Basis für naturnahe und klimastabile Wälder. Politik, Waldbesitzer, Waldbewirtschafter und Naturschützer stehen daher gemeinsam in der Pflicht, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass der Schutz und die Nutzung des Waldes miteinander in Einklang gebracht und so unsere Wälder fit für die Herausforderungen des Klimawandels werden. 

Weitere Informationen zur NABU-Position Wald&Wild finden Sie unter http://nrw.nabu.de/waldundwild

Für Rückfragen:

Dr. Dirk Bieker, NABU-Waldexperte, mobil: 0171-9897988, d.bieker@nabu-station.de

Heinz Kowalski, stellv. Vorsitzender NABU NRW, mobil: 160-8856396

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf
Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)
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