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Dienstag, 2018-12-18

Paradies vor der Haustür - Studienfahrt ins Siebengebirge Juni 2015

Fast wäre das Siebengebirge in der Nähe von Bonn zum Nationalpark erklärt worden. Die Voraussetzungen wären erfüllt gewesen. Doch die Nähe zum Ballungsraum und die zu kleine Fläche verhinderten die Ausweisung zur international höchsten Schutzkategorie.

Wir besuchten das Siebengebirge im Rahmen einer Studienfahrt. Seit fast 100 Jahren steht diese wertvolle Naturlandschaft unter Schutz. In der deutschen Naturschutzgeschichte spielt das Siebengebirge eine besondere Rolle. Der Ankauf des Drachenfelsens durch den preußischen Start im Jahre 1836 und die dadurch erreichte Einstellung der Steinbruchbetriebe wird bis heute als der erste Sieg der Ideen des Naturschutzes über wirtschaftliche Interessen angesehen. Nahezu 5000 ha entfallen auf das Naturschutzgebiet. 530 ha stellen Wildnisgebiete dar, die auf Dauer nicht bewirtschaftet und der natürlichen Dynamik überlassen werden. Der Weg zum Urwald ist geebnet. Der Name stützt sich nicht darauf, dass das Siebengebirge aus nur sieben Berggipfeln besteht. Mehr als 40 Gipfel lassen sich zählen. Die Bezeichnung geht vielmehr auf den Begriff „siefen“ zurück, der ein feuchtes Bachtal bezeichnet. Auch andere Erklärungen stehen noch im Raum. Die Deutung als feuchtes Bachtal erscheint sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Das Siebengebirge ist vulkanischen Ursprungs. Die Gefahr eines Ausbruchs erscheint wenig wahrscheinlich. Selbst verlassene und nahezu unberührte Nischen hat dieses kleine Mittelgebirge zu bieten. Der Uhu fühlt sich hier wohl.

Die Klosterlandschaft Heisterbach stand am ersten Tag auf der Tagesordnung. Das ehemalige Zisterzienserkloster ist heute nur noch als Ruine zu besichtigen. Auf dem Weg von Thomasberg dorthin zeigten sich im Wald große Bestände einer unscheinbaren Orchidee. Die Nestwurz fesselte unsere Aufmerksamkeit. Die auch in tiefsten Wäldern wachsende Pflanze betreibt keine Fotosynthese. Ihr fehlt das Blattgrün. Sie lebt als Parasit. Die längste Wanderung unternahmen wir zum Schloss Drachenburg. Eine Dame mit niederländischem Akzent erklärte uns die Hintergründe des Schlosses. Mit der Drachfelsbahn fuhren wir auf den gleichnamigen Berg und konnten die wunderbare Aussicht ins Rheintal genießen. Sogar der Kölner Dom war in der Ferne zu erkennen. Der Beginn des Westerwaldes und die Anfänge des Hunsrücks waren zu erahnen. Höhepunkt war die Sichtung eines Taubenschwänzchens, das vom Mittelmeer bis nach Skandinavien wandert. Wie ein Kolibri schwirrt es von Blüte zu Blüte auf der Suche nach Nektar. Auf dem Weg hinauf zum Drachenfels, auf halber Höhe gelegen, findet der Kulturinteressierte die Nibelungenhalle. Zahlreiche Mythen ranken sich um diesen Teil des Siebengebirges. Der Drachenfels ist laut der Nibelungensage der Ort, an dem Siegfried den Drachen erschlagen haben soll. Die Halle wurde 1913 als Gedächtnistempel zum 100. Geburtstag Richard Wagners, der den Ring der Nibelungen komponierte, errichtet. Von verschiedenen Stellen des Siebengebirges eröffnet sich immer wieder der Blick auf den Petersberg, auf dem zur Zeit der Bonner Republik Staatsgäste aus aller Welt nächtigten. Mit der Besichtigung des Konrad-Adenauer-Hauses in Rhöndorf (Bad Honnef) begaben wir uns in die Geschichte der noch jungen Bundesrepublik und erfuhren spannende Facetten aus dem Privatleben des ersten Bundeskanzlers. Selbst Bilder von Eisenhower und Charles de Gaulle, mit denen Adenauer befreundet war, haben in seinem Haus einen ehrenvollen Platz erhalten. Beide haben sich wohl auch als Maler betätigt. Im Garten fällt die große Vielfalt verschiedener Rosenarten auf. Mehr als 1500 Rosenstöcke in unterschiedlichsten Farben bedienen den Geschmack des Rosenliebhabers. Unkel, das eines der schönsten Stadtkerne am Rhein besitzt, begeisterte uns. Die Wahner Heide, das artenreichste Naturschutzgebiet in Nordrhein-Westfalen, bildete den Abschluss dieser gelungenen Gruppenfahrt. [Text und Bilder: U.Nickel] Bilder zu klein? KLICK