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Sonntag, 2019-01-20

Silberreiher

Silberreiher – ein Exot erobert Deutschland

Den Grau- oder Fischreiher kennt sogar jeder Städter, weil dieser nahezu einen Meter große Vogel selbst an Gartenteichen lauert, um seiner Lieblingsspeise nachzustellen – den Fischen. Seit einigen Jahrzehnten genießt dieser Zeitgenosse ganzjährige Schonzeit. Seine Bestände haben sich seitdem gut erholt. Eine unmittelbare Bedrohung ist nicht mehr gegeben. Auch die von den Anglern befürchtete Annahme, der Graureiher fresse alle Fische weg, entbehrt jeder Grundlage. Er hat im Naturhaushalt eine wichtige Funktion zu erfüllen und ist nicht für das Aussterben irgend einer Fischart verantwortlich.

Wer mit Aufmerksamkeit und Interesse eine Wanderung durch das Münsterland und auch durch Speckhorn oder Suderwich unternimmt, bemerkt besonders in den Wintermonaten, dass sich ein rein weißer Vogel von der Größe eines Graureihers zwischen die uns bekannten Reiher mischt. Es handelt sich um einen Silberreiher, der seit etwa zehn Jahren seine Zelte im Winter auch in Deutschland aufschlägt. Seine Brutgebiete befinden sich in Südosteuropa, Vorderasien, Zentralasien und in den Niederlanden, wo er an See- und Flussufern sowie in Sümpfen und Lagunen in großen Röhrichten brütet. Während der Zugzeit erscheinen die Vögel in den Monaten März bzw. Oktober/November auch in Nordrhein-Westfalen. Die langbeinigen und langhalsigen Tieren besitzen schwarze Beine sowie im Sommer einen schwarzen und im Winter einen gelben Schnabel. Die Nahrung besteht vor allem aus Fischen, Amphibien, Wasserinsekten und Reptilien.

Im Flug ist er durch seine langsamen, majestätischen Flügelschläge und den zusammengelegten Hals unverkennbar. Warum sich der Silberreiher zunehmend in Deutschland wohl fühlt, können auch Experten nicht beantworten. Allein auf den Klimawandel scheint diese Änderung der Reiseroute nicht zurückzuführen sein. Ein Grund könnte darin liegen, dass der Silberreiher seine Speisekarte um Leckerbissen wie Mäuse und wirbellose Kleintiere erweitert hat, die er auch auf trockeneren Flächen wie Klee- und Luzernefeldern findet. So konnte er neue Nahrungsquellen und damit Lebensräume erschließen. Die wahrscheinlichste Ursache liegt in der Zunahme der Brutpaare in den nördlichen und kontinentalen Gebieten Osteuropas. Dort ist es im Sommer warm, im Winter jedoch so kalt, dass die Silberreiher ins vergleichsweise warme Deutschland ziehen und dort überwintern. Obwohl der Silberreiher in unserer Nähe im Winter zahlreich zu beobachten ist, fehlt noch der erste Brutnachweise für Deutschland. Der weiße Schreitvogel macht es für Ornithologen spannend, die auf den ersten Brutnachweis warten. [Text und Bild: U. Nickel]