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Sonntag, 2019-01-20

Ruhrgebiet – grüner als sein Ruf

Wer vor über 50 Jahren das Ruhrgebiet aus dem Flugzeug betrachtet hat, sah sich an London erinnert oder an Meldungen aus dem Radio, dass durch Nebel eine Sicht von weniger als 50 Metern besteht. Die Atmosphäre war geprägt durch die Abgaswolken der Kokereien, Firmen und Stahlindustrien, die ungefiltert die Abfallstoffe in die Luft wirbelten. Wäsche aufhängen im Freien war zur Glückslotterie mutiert.

In der heutigen Zeit, in der nur noch zwei Zechen Kohle fördern und nur noch eine Handvoll Kokereien Kohle zu Koks verbacken, hat sich das Ruhrgebiet in vielen Bereichen zu einer Oase der Ruhe für die Menschen entwickelt. Filteranlagen reinigen die noch wenigen Emissionen, die in die Luft entweichen. Die Natur erobert sich ihre Gebiete auf ehemaligen Industriebrachen zurück. Für Biologen entwickelt sich das Ruhrgebiet zu einem Hotspot der Biodiversität. Ein Blick von den Halden, die sich zu Naherholungsgebieten entwickelt haben und auf denen Kunst ein neues Zuhause gefunden hat, offenbart, wie grün und natürlich der größte Ballungsraum Europas erscheint. Das Grün der Bäume scheint gegenüber dem Gros der Häuser, Industrieanlagen und Werke zu dominieren. Ob Zeche Zollverein, Landschaftspark Duisburg-Nord, Halde Emscherblick mit Tetraeder oder Nordsternpark Gelsenkirchen - Natur, Kunst und Naherholung sind die neuen Schlagworte des sich verändernden Ruhrgebiets. Disteln mit Hummeln und Hopfen begegnen dem aufmerksamen Wanderer im Ruhrgebiet beispielsweise in der Nähe der Heinrich-Hildebrandt-Höhe mit der Landmarke Tiger and Turtle im Duisburger Süden. Die durch die Künstler Ulrich Genth und Heike Mutter geschaffene monumentale Skulptur überzeugt durch ihre eigenwillige Konstruktion. Die „langsamste“ Achterbahn der Welt lässt sich sogar zu Fuß erleben und fördert die Auseinandersetzung mit der Industriekultur und natürlich der sich im Ruhrgebiet entwickelnden Natur. Während die Halden aus dem Abraum der Kohleförderung entstanden sind, handelt es sich bei der nur 35 Meter hohen Halde um die Schlacke einer ehemaligen Zinkhütte. Ein Ausflug zu einer Halde oder einer ehemaligen Industriebrache lohnt sich immer, weil der Besucher immer auf Relikte aus der Vergangenheit trifft, auf Pflanzen und Tiere, die hier neue Nischen gewonnen habe, und auf künstlerische Installationen. Diese drei Säulen korrespondieren miteinander und prägen das neue Bild des Ruhrgebiets. Wir leben in einer spannenden Umgebung. Was gibt es Schöneres?

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