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Dienstag, 2018-12-18

NABU Kreisexkursion

Die NABU Kreisexkursion 2017 führte uns in diesem Jahr am 10. Juni in die südöstliche Haard. Wir erkundeten Geheimnisse, die einer breiten Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind. Wir starteten vom Hotel Stimbergpark zur sogenannten Scheinzeche. Von dieser existiert heute lediglich noch ein Bunker, dessen Eingang durch ein Gittertor verschlossen ist. Fledermäuse fühlen sich hier pudelwohl. Bei dieser Scheinzeche handelte es sich um eine raffinierte Täuschung. Das nördliche Ruhrgebiet mit seinen Industrieanlagen und Zechen war im Zweiten Weltkrieg immer wieder Ziel alliierter Bombenangriffe. Die falsche Zeche, die mit Spiegeln und Scheinwerfern versehen war, sollte das Bombengeschwader vor nächtlichen Angriffen auf das Bergwerk Ewald-Fortsetzung in Oer-Erkenschwick ablenken. Während das echte Bergwerk vor Angriffen abgedunkelt wurde, war die Scheinzeche angeleuchtet, aber dennoch so raffiniert abgedunkelt, dass der Eindruck einer echten Zeche entstand. In der Haard gingen zahlreiche Bomben nieder. Die kleine Besatzung der Scheinzeche konnte sich bei Fliegeralarm in den Bunker zurückziehen. In einer Londoner Ausstellung feierten die Engländer seinerzeit das Bombardement der Zeche, obwohl sie nur Haard-Bäume trafen. In der Haard wurde 15 Jahre lang Steinkohle abgebaut. Die drei Haard-Schächte waren nicht das erste Bergbau-Projekt der Haard. 1858 beantragte der Goldarbeiter Jos. Harnischmacher in der Nähe des Farnbergs die Abbaurechte für ein Braunkohlevorkommen, das er mitten in der Haard entdeckt hatte. Das Flöz hatte eine Mächtigkeit von etwa 73 cm. Die Braunkohle lag unter einer Tonschicht, die bereits von einer Töpferei ausgebeutet wurde, der Potthütte. Diese kleine Abbaustätte trug den Namen „Braunkohlen-Bergwerk-Wald II“. Das Besondere: Es handelte sich um das nördlichste Vorkommen dieses Energieträgers überhaupt. Das verfallene Stollenmundloch richteten Auszubildende des Bergwerks Haard wieder her. Hinter das Gittertor stellten sie eine Statue der Heiligen Barbara auf, die auch Schutzpatronin der Bergleute ist. Die bemerkenswerteste Entdeckung war ein von Schneeflocken bedeckter Waldboden. Natürlich handelte sich nicht um echten Schnee. Der Waldboden und die Wege wurden vom sogenannten Pappelflaum eingenommen, der die Samenfasern und Fruchtwandfasern der Pappelfrüchte bezeichnet. Da diese Fasern ähnlich wie Schnee in Massen in der Luft herumgewirbelt werden, bezeichnet der Volksmund diese als Pappelschnee. Im Stimberghotel ließen wir eine gelungene Exkursion bei gutem Essen und einem leckeren Tropfen ausklingen. [Text und Bilder: U. Nickel ]