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Sonntag, 2019-01-20

Weidenkopfbäume

Kopfbäume prägen das Landschaftsbild an einigen Stellen in Recklinghausen. Vor allem in den Flußniederungen in der Westfälischen Bucht und am Niederrhein sind sie als Folge der historischen Schneitelwirtschaft entstanden. Starke Weidenäste werden am unteren Ende von der Rinde befreit und ca. 70 cm tief eingepflanzt, zwei Jahre später in zwei Meter Höhe geköpft. Unterhalb der Schnittstelle treiben sie mit langen, rutenförmigen Zweigen wieder aus und bilden die sogenannten Kopfbäume. Insbesondere Weiden erhielten durch regelmäßiges Schneiteln ihre bekannte Form. Die Äste wurden regelmäßig geschnitten, um Viehfutter, Stalleinstreu und Flechtmaterial für Korbwaren zu gewinnen. Meist handelt es sich um Silber- und Kopfweiden, aber auch andere Weidenarten, Esche, Pappeln, Rotbuche, Eichen, Feldulme und Hainbuche bilden durch Neuausschlag entsprechende Kopfbäume. Bei stärkerer Zersetzung und Humusanreichung durch alte Blätter in Hohlräumen können sich örtlich auf den Stämmen auch andere höhere Pflanzen ansiedeln. Durch sich rasch bildendes Moderholz bilden Kopfbäume wichtige Nischen für Totholz-Bewohner. Dickstämmige Vertreter zählen zu den insektenreichsten Pflanzen. Über 100 Käferarten sind auf Weiden angewiesen. Auch als Brutplatz für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter wie den Steinkauz sind sie unverzichtbar. Heute sind die Kopfbäume durch Flurbereinigungsmaßnahmen einer großen Gefährdung ausgesetzt. Da die Äste der Kopfbäume aufgrund veränderter Nutzungsformen nicht mehr geschnitten werden, drohen sie unter dem Gewicht der Äste auseinanderzubrechen.

Der NABU schneidet im Abstand weniger Jahre die Kopfbäume und stellt ihre ursprüngliche Form wieder her, um sie als Lebensraum für gefährdete Tiere zu erhalten. Weidenschnitt dient heute zur Herstellung von Weidentipis, während die dicken Stämme in kleine Teile geschnitten und als Brennholz verwendet werden. Kopfbäume, die durch den NABU geschnitten werden, befinden sich nördlich der Mollbeckteiche und in der Nähe des Reitstalls in Börste.