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Sonntag, 2019-08-18

Kohlweißlinge und Distelfalter am häufigsten gemeldet

NABU stellt Ergebnisse der Schmetterlings-Zählaktion in NRW vor | Die Meldungen der meisten Tagfalterarten sind geringer als in den Vorjahren

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Düsseldorf – Bereits seit 5 Jahren ruft der NABU mit dem Projekt „Zeit der Schmetterlinge“, das in diesem Jahr von der Deutschen Postcode Lotterie gefördert wird, vom 15. Juni bis 15. Juli zum Zählen aller Tagfalter auf. Nun wurden wieder 4 Wochen lang die Schmetterlinge in NRW gezählt. Für eine Überraschung sorgte diesmal der Distelfalter: Das Schlusslicht der Vorjahre wurde in diesem Jahr am zweithäufigsten gemeldet und flog somit beinahe so oft durch die Gärten wie die Kohlweißlinge. Die Zahlen der anderen Tagfalterarten sind hingegen besorgniserregend niedrig.

Das Ergebnis im Detail: Mit 1650 Meldungen sind die Kohlweißlinge wieder die meist beobachteten und gemeldeten Tagfalter. Im Vergleich zu 2018 mit 13.000 Kohlweißling-Meldungen waren die weißen Falter allerdings viel seltener unterwegs. Auf dem zweiten Platz liegt in diesem Jahr überraschenderweise und erstmalig seit Beginn der Zählaktion der Distelfalter mit 1200 Meldungen. Dieser Wanderfalter ist somit die einzige Falterart der Zählaktion, die in diesem Jahr häufiger beobachtet werden konnte als 2018. Alle anderen Arten wurden deutlich seltener gesehen: Platz 3 belegt mit 1100 Meldungen das Große Ochsenauge. Je 500 Mal wurden die Braun-Dickkopffalter und der Schornsteinfeger gemeldet. Zitronenfalter (400), Bläulinge (350) und Admiral (250) sind ebenfalls deutlich seltener gesehen worden als im Vorjahr. Gleichauf liegen die Beobachtungszahlen von C-Falter und Tagpfauenauge: Mit jeweils 200 Meldungen liegen sie zusammen auf dem vorletzten Platz der Zählaktion. Das Schlusslicht bildet in diesem Jahr der Kleine Fuchs, er wurde nur knapp 100 Mal gemeldet.  

Die hohe Anzahl der Distelfalter lässt sich auf ein Naturphänomen zurückführen, welches etwa alle 10 Jahre zu beobachten ist. Wie zuletzt 2009 kam es in diesem Jahr zu einer Masseneinwanderung dieser Tagfalterart aus Ost und Südost. Der Grund hierfür lag in Saudi Arabien, hier hatten Raupenfutterpflanzen des Falters durch hohe Niederschlagsmengen wohl ein gutes Jahr. Daher konnten sich besonders viele Distelfalter entwickeln und sich nach ihrer Raupen- und Puppenphase dann über das östliche Mittelmeer, die Türkei und den Balkan auf den Weg nach Norden machen. Die lange Reise sah man den guten Fliegern auch an, sie waren blass und die Flügel wiesen deutliche Gebrauchsspuren auf. „Kein Wunder“, bestätigt Karl-Heinz Jelinek, Sprecher des NABU-Landesfachausschusses Entomologie: „Die Distelfalter, die wir hier zählen konnten, hatten teilweise mehrere hundert Kilometer in wenigen Tagen zurückgelegt. Diese Falterart zeigt ein beeindruckendes Wanderverhalten, welches es ihr ermöglicht temporäre Nahrungshabitate optimal zu nutzen in dem sie ihnen einfach nachreist. Je nach Jahreszeit reicht das Nutzungshabitat daher von Island bis zur Sahelzone, es erstreckt sich also über ein Gebiet von 7000 Kilometern“.

Erschreckend gering sind dagegen die Meldungen der anderen Tagfalterarten in diesem Jahr: „Viele Teilnehmer berichten von auffallend wenigen Schmetterlingen im Garten und sind sehr besorgt, was den Bestand unserer heimischen Tagfalter betrifft“, so Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW. Vor allem die kühle Witterung im Mai, aber auch die Dürre des letzten Sommers kommen hier als Gründe in Frage. Vermutlich sind besonders bei den Falterarten mit Spätsommergenerationen, wie dem Tagpfauenauge, ganze Generationen der Trockenheit zum Opfer gefallen, da die Raupenfutterpflanzen vertrocknet sind.

Untersuchungen der letzten Jahrzehnte belegen erschreckende Rückgänge nicht nur bei der Artenvielfalt, sondern auch bei der Menge der Insekten. Die Meldungen früherer Allerweltsarten wie dem Kleinen Fuchs gehen seit Jahren zurück und sind so gering wie nie zuvor. „Umso erfreulicher ist daher die Konsequenz, die viele Teilnehmer aus dieser Beobachtung ziehen: Sie möchten ihren Garten schmetterlingsfreundlich machen“, so Chwallek weiter. Wie genau das geht, welche Pflanzen Schmetterlinge besonders mögen, Beispielgärten und Porträts der 50 häufigsten Tagfalter, ist auf der Projekt-Homepage unter www.schmetterlingszeit.de. nachzulesen.

Mit der Zählaktion,  möchte der NABU NRW aufmerksam machen auf Schmetterlinge und möglichst viele Menschen dazu motivieren die Falter bei der Gestaltung von Garten und Balkon zu berücksichtigen: „Mit der Anpflanzung von heimischen Pflanzen, die Schmetterlinge als Raupenfutter und Nektarquelle nutzen können, kann jeder seinen Beitrag leisten“ so Chwallek.

Die Meldungen der Zählaktion gingen über den NABU NRW und über die Onlineplattform des Kooperationspartners naturgucker.de ein. Wer in diesem Sommer weiterhin Schmetterlinge melden möchte, kann dies gern über folgenden Link tun: http://www.naturgucker.de/.  

Für Rückfragen:

Karl-Heinz Jelinek, Sprecher Landesfachausschuss Entomologie, mobil: 0151 15 211 483

Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender NABU NRW, mobil: 0172 3050359

Sarah Bölke, Projektleitung „Zeit der Schmetterlinge“, Tel.: 0211-15 92 51 52