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Sonntag, 2019-01-20

Kiebitze und Hunde

Nord.(UN) Dass Bauern und Naturschützer sich für eine Sache gemeinsam einsetzen, kommt nicht so häufig vor. Wenn es um den Schutz der Kiebitze geht, ziehen Bauer Heinz Feugmann und der NABU (Naturschutzbund) an einem Strang.

Der Landwirt sowie Stefan Wanske und Alfons Pennekamp vom NABU wollen auf einem Kartoffelacker entlang der Gersdorffstraße in Speckhorn Schilder aufstellen, die Hundebesitzer aufrufen, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen.
Hintergrund: Ornithologe Alfons Pennekamp kartierte in Recklinghausen das Vorkommen der Kiebitze, als er von Feugmann angesprochen wurde. Dieser kennt die Situation der Vogelart auf seinen Feldern und wies Pennekamp darauf hin, dass freilaufende Hunde den Kiebitzen nachstellen. Sofort schmiedeten beide mit Unterstützung von Wanske den Plan, durch Schilder auf diesen unhaltbaren Zustand hinzuweisen. Die Aufschrift „Werde Kiebitzschützer - leine Deinen Hund an“ richtet den Appell an die Hundebesitzer, ihren Gefährten anzuleinen. „Kiebitze stehen in Deutschland auf der Rote Liste unter stark gefährdet, weil sie in ihrem Bestand in den letzten zwanzig Jahren dramatische Einbußen hinnehmen mussten“, erklärt Alfons Pennekamp. Auf dem Feld könnten bis zu fünf Kiebitzpaare brüten. „Der Kiebitz hat durch die intensive Landwirtschaft seine Biotope verloren“, fährt der Ornithologe fort. Der Mais werde heute so dicht gepflanzt, dass für die Kiebitze kein Platz mehr für ihre Brut existiert. Die Maisfelder werden Mitte April bestellt. Diese Pflanze aus der Familie der Süßgräser wächst so schnell, dass der Kiebitz von den Landwirten zwischen den Pflanzen nicht mehr gesehen weird. „Die Kiebitze werden einfach untergepflügt“, beschreibt Pennekamp dieses Trauerspiel. „Wenn die Hunde dann brütende Kiebitze aufscheuchen, ist es um den Vogel aus der Familie der Regenpfeifer geschehen.“ Landwirt Heinz Feugmann freut sich über das gemeinsame Projekt mit dem NABU, mit dem er bisher nur gute Erfahrungen gemacht hat. „Wenn ich Anliegen hatte, waren die Naturschützer innerhalb von zwei Tagen zur Stelle und haben sich dem Problem angenommen“, lobt der Bauer. Etwas liegt ihm jedoch etwas krumm im Magen. „Sobald von bedrohten Vögeln die Rede ist, werden Biotope heute sehr schnell unter Naturschutz gestellt. Wir als Bauern werden dann für unser Engagement bestraft und können unsere Felder nicht mehr vernünftig bewirtschaften“, befürchtet Feugmann. Für ihn und Pennekamp muss ein solches Feld nicht unter Naturschutz gestellt werden. Es gibt durchaus Möglichkeiten, beiden Seiten gerecht zu werden. „Wir könnten für einen kurzen Zeitraum Kiebitze einsammeln und diese danach wieder freilassen“, erklärt Pennekamp. „Der Bauer kann seinen Beruf weiter ausüben, und der Kiebitz überlebt.“ Es ist wichtig, miteinander zu sprechen. Dann könnten durchaus Gemeinsamkeiten gefunden werden zwischen verschiedenen Interessen. ( Text und Bilder: U. Nickel )