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Dienstag, 2018-12-18

Balkenschröter

Als wir in der Dämmerung nach anstrengender Arbeit am Forsthaus gemütlich zusammensaßen, krabbelte einige Meter entfernt ein recht großes Tier die Hauswand hoch. Was mag das wohl sein? Neugierig und wissbegierig, aber auch entdeckungsfreudig, wie wir NABUler so sind, standen wir auf und fokussierten das unbekannte „Wesen“. Die Determination war eindeutig. Ein großer, schwarzer Käfer spazierte an der Wand entlang. Doch wie heißt er? In Deutschland leben mehr als 6.500 verschiedene Käfersorten. Ich schaute in das Pareys Buch der Insekten, in dem mehr als 2 000 unterschiedliche Sechsbeiner beschrieben werden. Nur ein Bruchteil der Käfer kann in einem Bestimmungsbuch erwähnt werden. Ich fand einen in Frage kommenden und bestimmte ihn als Balkenschröter. Eine Recherche im Internet bestätigte sodann mein Ergebnis.

Dieser bis zu 3,2 cm lange Käfer ist die zweitgrößte Hirschkäferart unserer Fauna. Die Larven leben im Totholz der Laubwälder. Sind geeignete Wälder vorhanden, ist der Balkenschröter gar nicht so selten. Er steht unter Naturschutz. Meist sind Nacken- und Halsschild der Käfer dünner als das hintere Segment. Der Balkenschröter ist nahezu gleichmäßig breit. Das macht ihn fast unverkennbar. Er verfügt über vergrößerte Mundwerkzeuge, den sogenannten Mandibeln, die beim Hirschkäfer wesentlich größer ausgeprägt sind. Mit diesen Mundwerkzeugen können sie sich durchaus zur Wehr setzen und die Haut eines Menschen durchdringen. An den Grenzen der drei Körpersegmente scheint eine gelbliche Verbindungshaut durch. Der Käfer bevorzugt Buchen- und Eichenwälder, besonders feuchte Wälder besiedelt er gerne.

Insbesondere durch die Flurbereinigung ist der Balkenschröter in weiten Teilen Deutschlands selten geworden. Viele Wälder werden forstwirtschaftlich genutzt, das Totholz weggeschafft, so dass der Lebensraum dieses interessanten Käfers stark reduziert wurde. Sogenannte Saftstellen in den Bäumen dienen dem Balkenschröter als Nahrungsquelle. Diesen Saft leckt er auf. [Text und Bild: U.Nickel]