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Sonntag, 2019-01-20

Halde Rheinbaben

Früher befanden sich im Überschwemmungsbereich der Boy Feuchtwiesen, die vielen Pflanzen und Tieren einen wertvollen Lebensraum boten. Als hier ab 1897 das Abteufen der Schächte begann, lief die Kohleförderung fünf Jahre später an. Für die Ablagerung des Bergematerials wurde ein Gelände gesucht, das mit diesen Feuchtwiesen schnell gefunden war. Das Ende der Naturlandschaft war gekommen. Um die Auenlandschaft der Boy zu nutzen, wurde die natürliche Vegetationsdecke eines Erlenbruchwaldes gerodet. Nachdem das Gelände landwirtschaftlich genutzt wurde, begann 1945 die Aufschüttung der Bergehalde Rheinbaben. 1967 wurde das Ablagern von Bergematerial eingestellt, weil die Zeche stillgelegt wurde. Auf dieser Fläche wurden zwei Millionen Kubikmeter Bergematerial aufgeschichtet. Während andere Halden rekultiviert wurden, fehlte auf der Halde Rheinbaben nahezu jeglicher Eingriff in die Natur. Pflanzen und Tiere durften sich hier so ansiedeln, wie sie es gerade sollten. Der Fachmann spricht von einer ungelenkten Spontanbegründung. Gerade dieser Umstand macht den hohen Schutzstatus dieses Geländes aus. Es hat sich ein Lebensraum ohne Einfluss des Menschen entwickelt, der gute Vergleichsmöglichkeiten zu den rekultivierten Halden zulässt. Heute darf sich die Natur hier weiter frei entfalten. Für Biologen bieten gerade Halden, ob anthropogen beeinflusst oder nicht, ideale Möglichkeiten, um Studien zu betreiben, wie sich die Natur entwickelt. 2001 wurde die Halde daher unter Naturschutz gestellt.

Wertbestimmend für diese ehemalige Abraumhalde ist der stadtnahe Biotopkomplex aus lichten Waldstrukturen im Mosaik mit Offenlandlebensräumen. Besonders die lichten Birkenwälder bestimmen weitgehend die Waldstrukturen. Die Birke übernimmt oft die Rolle als Pionierpflanze. Sie haben mittlerweile eine Wuchshöhe von über 15 Metern erreicht. Die halboffenen Bereiche weisen stellenweise krautreiche Grasfluren auf. Der Biotopkomplex besitzt eine Bedeutung als Trittsteinbiotop für Pflanzen und Tiere innerhalb des dicht besiedelten Ruhrgebietes. [ Text und Bilder: U.Nickel ]  Klick zum Vergrößern