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Sonntag, 2019-01-20

Feuchtgebiete – Quell des Lebens

 

Feuchtgebiete sind so vielfältig und mannigfaltig, in ihrer Struktur und Beschaffenheit aber auch so unterschiedlich wie kaum ein anderer Lebensraum.

Überall finden wir Feuchtbiotope, inmitten der Großstadt ebenso wie hoch im Gebirge.

In Recklinghausen existieren auch unterschiedliche Feuchtbiotope, die seltenen Pflanzen und Tieren eine Nische bieten. Quellen, Fließgewässer, Pfützen und Weiher beherbergen eine reiche Fauna und Flora.

Teiche, von Menschenhand künstlich angelegte Stillgewässer meist inmitten von Gärten, ziehen Libellen, Käfer, Amphibien und Vögel in ihren Bann. Naturfreunde können selbst am hauseigenen Gartenteich interessante Entdeckungen machen und ihren Forscherdrang stillen. Teiche wurden durch den Menschen auch zur Fischzucht, zur Garten- und Parkgestaltung oder auch aus Gründen des Naturschutzes angelegt. Beide Mollbeckteiche entsprechen diesem Biotoptyp.

Tümpel sind im Gegensatz zum Teich nur periodisch vorhandene Kleingewässer, die jährlich ein- oder mehrmals austrocknen können. Sie zeichnen sich durch eine geringe Wassertiefe, meist starken Temperaturschwankungen mit hohen Extremen und dem weitgehenden Fehlen echter Wasserpflanzen aus. Tiere, die an diese Lebensbedingungen angepasst sind, fühlen sich hier pudel wohl. Kleinkrebse und Wasserflöhe können sich bei Wasserbedeckung binnen zwei Wochen zum ausgewachsenen Tier entwickeln. Wasserkäfer sowie Schwimm- und Taumelkäfer wechseln ihren Lebensraum bei Austrocknung fliegend. Im Ruhrgebiet besitzen besonders Abgrabungstümpeln eine hohe Bedeutung für Kreuzkröten.

Weiher sind natürlich entstandene, flache, im allgemeinen maximal zwei Meter tiefe, seeähnliche Stillgewässer, die das ganze Jahr über Wasser führen. Eine sehr hohe Bedeutung besitzen Weiher für den Artenschutz durch üppiges Wachstum von Unterwasser-, Schwimmblatt- und Röhrichtpflanzen. Zoologisch betrachtet sind naturnahe Weiher der artenreichste Typ von Binnengewässern. See- und Teichrose fesseln mit ihren Farben die Blicke des Naturfreundes. In der Haard spiegelt der Weiher im Naturschutzgebiet „Brinksknapp“ diesen Biotoptyp gut wieder.

Quellen sind nasse Kleinbiotope, in denen Grundwasser aus dem Untergrund an die Oberfläche quillt. Typisch sind die ganzjährig fast konstante Temperatur, Sauerstoff- und Nährstoffarmut. Die Silvertbachquelle, Naturschutzgebiet an der Stadtgrenze zu Oer-Erkenschwick, ist durch starken Nährstoffeintrag aus den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen stark bedroht. In Europas Fauna gibt es nahezu 1500 Spezialisten, die auf intakte Quellen angewiesen sind.

Fließgewässer finden wir insbesondere im Naturschutzgebiet „Burg“ in Marl-Sinsen. Wichtige Biotopelemente machen den hohen ökologischen Wert von schnell fließenden Bächen aus. Der Bach schlängelt sich in stärk ausgeprägten Mäandern durch dieses wertvolle Naturschutzgebiet. Sand-, Schlamm- und Kiesbänke wechseln sich mit einem tieferen Bachbett ab. Es treten starke Schwankungen der Wassertemperatur und des

Sauerstoffgehalts auf. Der Eisvogel liebt Fließgewässer und zeigt sich als erfolgreicher Fischjäger.

Im NSG „Burg“ sind große Bestände an Bruchwald zu entdecken. Es sind Nasswälder mit an oder nahe unter der Oberfläche liegendem Grundwasserspiegel. Von Auenwäldern unterscheiden sie sich durch gleichmäßig hohen Grundwasserstand. Sumpfdotterblume, Scharbockskraut und Schlüsselblume fühlen sich hier wohl. 

Pfützen, die nach starken Regenfällen entstehen können, wer-den schnell von Wasserläufern besiedelt, von Vögeln als Wassertränke genutzt und sogar selbst von Amphibien besiedelt.

Nicht umsonst lassen sich Feuchtbiotope als Quell des Lebens bezeichnen. Im Wasser ist das Leben entstanden. Von hier hat sich der Siegeszug des Lebens in Bewegung gesetzt und sämtliche Landlebensräume erobert.

Text und Bilder: U. Nickel

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