Sie sind hier: Landschaften / Dies und Das
Sonntag, 2019-01-20

Besuch aus Bayern

Sonnenfinsternis versinkt im Nebel - das weckt Hoffnung

Am Abend vor der Sonnenfinsternis schnellte der Puls langsam, aber stetig nach oben. Das Fieber auf dieses besondere Ereignis stieg. Die Erwartung war riesig und ließ sich schwer in Worte fassen. Eine ganze Nation zitterte mit und konnte es kaum erwarten, bis das Phänomen sich am Himmel präsentierte. Schließlich sagten die Wetterpropheten gutes Wetter voraus. „Sofi“-Brillen wurden zu Tausenden gekauft. Auch in Recklinghausen meldeten die Optiker „ausverkauft“. Ich setzte mich einen Tag vorher ans Telefon und versuchte mein Glück, noch eine Brille zu ergattern bzw. eine Folie, um von diesem vergänglichen Augenblick bleibende Erinnerungen zu fertigen. Das grenzenlose Engagement zahlte sich nicht aus, weil weder Brillen noch Folien zu bekommen waren. Also google ich im Internet nach Alternativen. Eine Lösung kam sofort für mich in Frage, und zwar das Fertigen einer Lochkamera. Schnell besorge ich mir die notwendigen Utensilien, Chipslettenhüllen, Alufolie, Butterbrotpapier und Klebeband. Voller Stolz bastelte ich mir diese Kamera und war auf das Ereignis am Freitag vorbereitet. Als ich den Blick gen Himmel warf, zeigte sich nur zäher Nebel. Die Stunde der Wahrheit rückte immer näher. Der Nebel blieb. Die Zeit rannte, aber der Nebel bewegte sich nicht. Unten auf der Erde herrschte reges Treiben, am Himmel Bewegungslosigkeit. Erste Hoffnungslosigkeit machte sich breit. Es sollte in diesem Jahr nicht sein. Dennoch tröstete ich mich mit den Erinnerungen an die Sonnenfinsternis 1999 und den wundervollen Fotos, die ich damals schießen konnte. Ich beruhigte mich, indem ich mir sagte: „Die Natur lässt sich nicht planen.“ Gerade dieser Satz beinhaltet eine Hoffnung, die mich zuversichtlich stimmte: die Unplanbarkeit der Natur. Es werden wieder Momente kommen, in denen ich Tiere, Pflanzen und Naturphänomene sehe, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Das ist es, worauf es ankommt: Der Mensch kennt die Zukunft nicht. Und sie hält genügend Überraschungen für uns bereit. Das macht den Reiz und die Spannung des Lebens aus. [Text und Bild: U. Nickel]


Inne halten (ein paar Gedanken) ...

Die folgenden Zeilen sollen nicht große philosophische Aufsätze abhandeln. Sie sollen dazu dienen, kurz inne zu halten und sich dem Augenblick hinzugeben.

Künstler vergangener Epochen wurden oft durch Mitstreiter und Gleichgesinnte angeregt, bestimmte Motive auf die Leinwand zu bannen. Ich erinnere mich gerne an die Impressionisten wie Monet und van Gogh, aber auch an andere berühmte Maler wie Picasso, die im Rahmen des sogenannten Japonisme Künsterkollegen aus Japan als Vorbilder nahmen, um sich auch selbst weiter zu entwickeln. Nicht nur ihre Motive und Sujets fanden sich auf ihren Leinwänden wieder. Sie bedienten sich auch ihrer Stilmittel und Maltechniken.

Viele Künstlerpersönlichkeiten hielten sich gerne in der Natur auf, die mannigfaltige Möglichkeiten der Auseinandersetzung bot. Verschiedene Lichtstimmungen, das Verhalten der Tiere und die unterschiedlichen Motive regten zum intensiven Studium und der künstlerischen Darstellung an. Bevor die Fotografie erfunden wurde, bedienten sich Maler wie Turner Notizblöcken, um Skizzen geplanter Motive anzufertigen. Die Fotografie erleichterte später das Festhalten der momentanen Situation, um in Ruhe im Atelier das Werk zu vollenden. Besonders die Natur rückte für viele Künstler immer stärker in den Vordergrund. Impressionisten malten in der Natur und hielten ihre "Impression" fest. Sie lösten sich von der reinen Darstellung von Abbildungen und drückten Lichtstimmungen und ihre eigene persönliche Wahrnehmung aus.

Die Natur fasziniert noch heute, zieht viele Menschen wieder in ihren Bann, um dem temporeichen Leben zu entrinnen und nach Entschleunigung zu suchen. Sensibilität, Aufmerksamkeit und genaue Beobachtung stellen sich als neue Eigenschaften ein oder werden wieder belebt. Die Natur befreit, regt die Kreativität an und führt den Menschen dahin zurück, wo er hingehört. Er ist wieder bei sich angekommen, statt immer dem Tempo der heutigen Zeit zu folgen. Die Gedanken verlieren sich nicht mehr in der Vergangenheit oder in der Gegenwart. Sie kehren zum Hier und Jetzt zurück, also in den Augenblick, in dem der Mensch lebt. Wenn die volle Aufmerksamkeit wieder auf die momentane Situation gelenkt wurde, entdeckt der Mensch das faszinierende Leben der Vögel, die eleganten Flugmanöver der Libellen, die Farbenpracht der Schmetterlinge und die bunte Vielfalt der Blumen. Es kehrt Ruhe und Gelassenheit ein, die Raum lässt für neue Hobbys. Die Künstler spürten auch diese Öffnung der Wahrnehmung und gaben sich der momentanen Situation hin. Dadurch registrieren sie jedes Geräusch, jeden Duft und jede visuelle Erscheinung.

Um den Weg zur Entschleunigung zu finden und im Jetzt zu leben, existieren mehrere Zugänge. Kunst und Fotografie, die den Menschen durch seine Begeisterung zum Hier und Jetzt zurückkehren lassen, sind ein guter Zugang. Jedoch bietet sich auch die Konzentration auf den Augenblick und damit auf die Dinge, die im Augenblick passieren, eine willkommene Hinwendung zur Ruhe. Das Gefühl, es geschafft zu haben und jederzeit wieder schaffen zu können, befreit. Wer sich dann noch für die Schönheiten der Natur begeistern kann, ist glücklich zu schätzen.

 

 

 

 

 

[Text und Bilder U. Nickel]


Die Haard - Heimat der Trolle und Gnome?

Auf einem Spaziergang durch die Haard kann der aufmerksame Beobachter seltsame Gebilde und mysteriöse Figuren beobachten. Behausungen aus Moos und Zweigen säumen so manchen Weg. Sich gegenüber liegende Augen beobachten aufmerksam die Umgebung und haben alles im Blick. Breite und flache Körper hängen an den Bäumen wie Ufos am Himmel.

Sind diese merkwürdigen Erscheinungen das Werk von Trollen und Gnomen oder handelt es sich um zufällige Gebilde der Natur?

Leben im dichten Wald der Haard der tolle Troll, der kleine Wurzelzwerg und Günni der Gnom?

Ein Spaziergang in der Dämmerung durch die Haard könnte den Eindruck bestätigen und untermauern. Die manchmal unheimliche Atmosphäre regt die Phantasie an und lässt Spielräume für die verrücktesten Ideen. Existiert in den unterirdischen Gefilden der Haard eine versteckte Welt, die wir nicht kennen? Erweckt dieses latente Leben in den lauen Nächten zum Leben?

Es ist ratsam, in diese Gänsehaut produzierende Atmosphäre einzutauchen, sich auf sie einzulassen. Der sensible Mensch nimmt all die unbekannten Geräusche und Stimmungen wahr und kommt mit seiner Aufmerksamkeit diesen Rätseln auf die Spur. Auch wenn sich nicht alle unbekannten Erscheinungen erschließen, nimmt der Naturfreund das Knacken des Baumes wahr, der durch den Wind in Bewegung gerät, hört das schaudernde Rufen des Waldkauzes oder die seltsamen Lautäußerungen des seltenen Ziegenmelkers.

  

Alle mysteriösen Geräusche lassen sich einordnen und bestimmen. Oder leben der tolle Troll, der kleine Wurzelzwerg und Günni der Gnom doch in der Haard? Auf die Suche nach der Lösung kann sich jeder Interessierte selbst begeben, vielleicht mit neuen Antworten und Entdeckungen. [ Text und Bilder : U. Nickel ]

Auch Bäume leuchten in RE

Bilder zu klein? bitte klicken

Recklinghausen leuchtet zieht wieder Tausende von Besuchern aus nah und fern in die Festspielstadt, die die wundervoll illuminierten Gebäude, Fachwerkhäuser und Plätze bestaunen. Wahre Besucherscharen sind an den Wochenenden in der Stadt unterwegs und vermitteln den Eindruck einer prosperierenden Metropole. Es macht einfach Spaß, durch die Stadt zu flanieren, an den Gebäuden stehenzubleiben und den Blick voll und ganz auf die ästhetische Beleuchtung zu richten. Recklinghausen leuchtet hat sich zu einem Event erster Güte entwickelt. Zahlreiche Fotografen ziehen mit Stativ und Kamera durch die Altstadt und suchen nach den besten Motiven. Sie wetteifern um den schönsten Aufnahmeplatz, der dem Wunschmotiv am nächsten kommt. Grenzen werden mühelos überschritten. Die Menschen kommen ins Gespräch, fachsimpeln über Fotografie, Blende und Belichtungszeit und diskutieren über die favorisierte Illumination.

Dabei fällt auf, dass auch die Natur nicht vergessen wurde. Bäume neben der Goldschmiede Motyl sind ebenso in den Fokus gerückt wie diese an der Stadtmauer und im Willy-Brandt-Park. Die wertvollen Sauerstoffproduzierer wirken wie geheimnisvolle Wesen, flößen Respekt ein und verschönern den Erlebniseindruck. Auch Bäume werden zu Hauptakteuren. Etwas Schöneres können wir uns beim NABU nicht vorstellen. [ Text und Bilder U. Nickel ]