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Mittwoch, 2017-12-13

am Weg gesehen

 

 

Spaziergang am Rande unserer Stadt

Am Ende eine Bildershow. Weitere Bilder folgen, die den Bereich um die Mollbeck bis hin zu Börste umschreiben. 


Der Kartoffelacker von der Bestellung bis zur Ernte.

 

Ökologische Kleinode ziehen Besucherscharen in ihren Bann. Auch wenn die Mollbeckteiche und der Rodelberg diese Bedeutung für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt noch nicht erreicht haben, erfreut sich dieser nördliche Landstrich in Recklinghausen bei Erholungssuchenden großer Beliebtheit. Jogger, Spaziergänger, Hundefreunde, Fahrradfahrer und Walker fühlen sich diesem Naherholungsgebiet stark verbunden, das zum Flanieren und Entspannen einlädt.

Der NABU empfiehlt eine Wanderung, die am Rodelbergparkplatz beginnt. 1967 beschloss der Rat der Stadt, den Grüngürtel an der Mollbeck zu einem Naherholungszentrum auszubauen. Ein Jahr später folgte die Gestaltung des Rodelberges. Durch den Abbruch der beiden Sparkassen am Königswall und den Ausbau der Mollbeck Ende der 60er Jahre gelangte genug Erdaushub in den Norden der Stadt. Über einen längeren Zeitraum wurde die Fläche als Anlieferstelle für Bodenaushub aller Art zur Verfügung gestellt und wuchs Meter um Meter bis zu einer Höhe von 125 Metern. Lange Zeit war der Rodelberg die höchste Erhebung der Stadt, bis die Halde Hoheward, auch künstlich entstanden, dem Rodelberg ca. 25 Jahre später den Rang ablief. Der Rodelberg hat dennoch nichts von seinem Reiz und seiner Anziehungskraft verloren. Die grüne Wiese am Fuß des Berges lädt im Sommer zu einem Picknick ein. Im Winter wird der abschüssige Hang zu einem Mekka für Rodelfans. Der Rest ist mit Sandbirken, Pappeln und Ahorn aufgeforstet worden. Wer das Plateau des Rodelberges erwandert, genießt einen wunderbaren Blick Richtung Ruhrgebiet. Im Frühjahr begrüßt uns der Aronstab, der im April und Mai blüht und danach mit seinen roten Beeren sofort auffällt. Aber Vorsicht: Der Aronstab ist giftig.

Wir setzen unsere Wanderung fort und genießen im Sommer die angenehme Kühle des bewaldeten Bachtals. Von den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen schwemmen viele Nährstoffe in den Bach. Der dichte Bewuchs an Brennnesseln verrät den Stickstoffüberschuss. Roteichen färben sich im Winter dekorativ rot. Wenn wir Richtung Mollbeck laufen, passieren wir einen Teich neben dem Freibad, der von Eschen, Schwarz-Erlen und Traubeneichen bewachsen ist. Wir überqueren den Parkplatz und sehen das Naturfreundehaus, das nach umfangreicher Renovierung wieder zu einer kleinen Pause mit Kaffee und Kuchen einlädt. Die Mollbeckteiche dienten früher als Feuerlöschteiche und gehören heute zum bekannten Naherholungsgebiet. Stock- und Reiherenten, Bläß- und Teichhühner, aber auch Kanada- und Nilgänse sowie Kormorane und Graureiher statten den Teichen einen Besuch ab und ziehen zum Teil hier ihre Jungen groß. Die Graureiher spähen geduckt an unzugänglichen Uferabschnitten nach kleinen Fischen. An warmen Sommertagen jagen hier Fledermäuse nach Insekten. Der NABU bietet jedes Jahr Exkursionen an und klärt über das heimliche Leben der Flattertiere auf.

Weiter südlich erreichen wir die Speckhorner Straße und biegen hier rechts ab Richtung Ampel. Uns fällt eine größere Feuchtwiese auf, die mit Weidenröschen, Sumpfdotterblumen, Wasserdost und Sumpfkratzdistel bewachsen ist. Die Blütenpracht ist abhängig von der Jahreszeit, in der wir hier unterwegs sind. Schmetterlinge und Insekten sind bei diesem Blütenreichtum zahlreich vorhanden. Kopfweiden begleiten hier den Bach, der mitten durch das Feuchtgebiet fließt. Im Bach lebt der Wasserskorpion, der zu den Wasserwanzen gehört und über ein 10 Millimeter langes Atemrohr verfügt. Er wirkt schon sehr respektvoll durch seine Größe und Erscheinung. Wir überqueren die alte B 51 und nehmen natürlich die Ampel, die nach Anforderung grünes Licht zeigt. Schließlich sind wir ein Vorbild für die Kinder.

An der Speckhorner Kirche vorbei (Flutstraße) biegen wir nach ca. 200 Metern in die Reiffstraße ab und folgen nicht der Kurve, sondern wandern geradeaus weiter (Alstedde). Kurz vor der Bahnlinie kreuzen wir die Kühlstraße, in die wir rechts einbiegen und unter einer Brücke die Bahnlinie queren. Es öffnet sich der Blick auf die kleine Bauernschaft Börste. Mit Glück können wir in der Dämmerung hier Steinkäuze hören, die in den Kopfweiden sitzen. Neugierig geworden folgen wir der Lindenstraße Richtung Bahnschranke und überqueren diese mit einem kleinen Schwenk nach links. Nach 50 Metern biegen wir rechts in einen asphaltierten Feldweg ein und wandern ca. einen Kilometer, bis wir rechts abbiegen und durch einen Hohlweg spazieren, der unser Interesse weckt.

Hohlwege sind durch menschliche Nutzung entstanden, als Fuhrwerke und Karren Lebensmittel und Heu in die Städte transportierten. Diese haben tiefe Einschnitte verursacht, die vielen Pflanzen und Tieren wertvolle Nischen bieten. An den Flanken siedeln sich Stauden und Gehölze an, die Kleintieren als Unterschlupf und Nahrung dienen. Hohlwege locken abends und nachts Fledermäuse an, die hier Jagd auf Nachtfalter machen. Für landwirtschaftliche Gebiete sind Hohlwege eine ökologische Bereicherung. Sie sind von kulturhistorischer und archäologischer Bedeutung für die Frühgeschichte einer Landschaft.

Häufig werden die Straßen an der Mollbeck von Alleen gesäumt. Diese Baumreihen begleiten die Wege und steigern den Erlebnis- und Erholungswert einer Landschaft. Besonders Vögel profitieren von Alleen. Sie dienen ihnen als Sing- und Ansitzwarten. Oft werden in Alleen Bäume gepflanzt, die in den Forsten aufgrund mangelnder Erträge weitgehend zurückgedrängt wurden. Nachdem wir die Bedeutung der Hohlwege erkannt und uns an den Alleen erfreut haben, wandern wir auf dem direkten Weg zum Rodelberg zurück - wohlwissend, ein schönes Stück Heimat erlebt zu haben.

Diese Wanderung lässt sich beliebig variieren und erweitern. Das Naturschutzgebiet „Burg“ und der Silvertbach sind interessante Ausflugsziele, die über eine große Naturausstattung verfügen.

Viel Spaß beim Naturerleben wünscht der NABU.                      Text: U. Nickel 

Nachtrag am 27. September 2014: Das Naturfreundehaus ist leider gestern ein Opfer der Flammen geworden. Wir lassen den Hinweis noch in der Beschreibung.