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Dienstag, 2018-12-18

 

Augenblicke zu Zweit

Dieser Blick entspannt

Fuchsie

Wasserminze

Aronstab

Biotop der Hirschzunge

NABU schwelgt in nostalgischen Erinnerungen

Dieses Highlight hat sich bestimmt noch nicht überall herumgesprochen. Spätestens jetzt wissen die Aktiven der Garten-AG, dass das Münsterland mehr zu bieten hat als historische Schlösser und weite Parklandschaften. Am 3. August setzten sich die Gartenfreunde mit PKWs und Hänger, die randvoll mit Fahrrädern beladen war, Richtung Rosendahl in Bewegung, um sich auf die Spuren der Bahngeschichte zu begeben und neue Anregungen für ihren eigenen Garten im Kreislehrgarten Steinfurt zu holen.

Nach gut einer Stunde Fahrt und letzten Checks der Räder ging es endlich los. Vom alten Bahnhof Darfeld, der an der ehemaligen Bahnlinie Coesfeld-Rheine liegt, fuhren die Naturschützer auf der drei Meter breiten Asphaltbahn Richtung Burgsteinfurt. Am 5. Mai 2013 wurde die RadBahn Münsterland offiziell eröffnet, die zu einem erstklassigen Radweg ausgebaut wurde. Fast ohne Steigung führt die Route durch die typische Münsterländer Parklandschaft. Bis 1984 fuhren auf dieser 1879 eröffneten Eisenbahnlinie Personenzüge. Aufgrund gesunkener Fahrgastzahlen wurde der Personenverkehr eingestellt. Schwere Güterzüge rollten noch bis vor 15 Jahren über diese Strecke. Kohlezüge fuhren vom Ruhrgebiet zu den Nordseehäfen, Erzzüge von dort ins Ruhrgebiet. Schwere Dampflokomotiven, deren letzte Exemplare 1977 von der Bundesbahn außer Dienst gestellt wurden, lassen heute das Herz vieler Eisenbahnnostalgiker höher schlagen. Das Emsland beispielsweise gehörte zu den letzten großen Bastionen der historischen Schnellzugdampflokomotiven. Alte Bahnhofsgebäude legen noch heute Zeugnis ab von der guten alten Zeit.

Heute stellt sich die ehemalige Bahnstrecke als vorzügliche Radverkehrsstrecke dar. Mühelos können sich zwei Fahrradfahrer gleichzeitig begegnen. Die Randstreifen zeichnen sich durch eine bunte Florenvielfalt aus. Selbst gefährdete und geschützte Pflanzen wie die Hirschzunge begleiten den Fahrradfahrer entlang von Mauern durch kühle Wälder. Dieses seltene Farngewächs kann hier gedeihen, weil die ehemalige Bahnstrecke an manchen Stellen wie ein Hohlweg durch die Landschaft führt. Dieser Umstand begünstigte die Entwicklung eines Mikroklimas, das wir sonst nur in Schluchtwäldern finden. Auch der Aronstab fühlt sich hier wohl. Die Färber-Hundskamille gehört zu den Raritäten entlang der Strecke. Wasser- und Rossminze fallen dem aufmerksamen Beobachter ebenso ins Auge wie leuchtende Schmetterlinge. Ochsenauge, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs fesseln den Blick jedes Radlers. Nicht selten zeigen sich sogar mehrere Falter gleichzeitig auf einem Blütenensemble. Entlang der Strecke sind trockene Biotope angelegt werden, die der Zauneidechse ideale Nischen bieten. Neben einem kleinen Exemplar dieser gefährdeten Reptilienart huschte leider kein lebendes Individuum über den Radweg. Eine tote Zauneidechse sorgte für etwas traurige Blicke.

Nach einer guten Stunde erreichten wir – dank der hohen Durchschnittsgeschwindigkeit, die wir auf diesem Radweg mühelos erreichten – den Kreislehrgarten Steinfurt. Im Stadtteil Burgsteinfurt liegt der etwa 30.000 qm große Lehrgarten, der 1914 gegründet und mit über 9000 Fuchsiensorten rekordverdächtige Zahlen erreicht. Die NABU-Gartenfreunde nahmen viele Anregungen für die Planung, Gestaltung und Pflege des NABU-Gartens mit. Es ist die große Vielfalt, die den Besucher begeistert. Themengärten wie Bauern- und Kräutergarten, Steinanlagen, Staudenrabatte, Rosenbeete und ein Narzissenrasen regen zum Nachahmen an. Pflanzen extremer Standorte, wie sie bei der Dachbegrünung, auf der Trockenmauer oder im Steingarten vorkommen, wechseln mit Beispielen verschiedener Vogel- und Fledermauskästen ab. Der Gartenerlebnispfad mit seinen 18 Stationen gibt Anregungen zum Schmetterlingsgarten, Informationen zum biologischen Pflanzenschutz und weckt das Interesse, den eigenen Garten als Naturgarten zu gestalten. Auch über alte Obstsorten informiert der Kreislehrgarten und beschreibt die Anlage und Pflege von Kern- und Steinobst sowie Beerensträuchern wie Johannis- und Stachelbeere. Die bunte Vielfalt an Nutz- und Zierpflanzen verwirrt nahezu, weil der Besucher durch eine solch wunderbare Pracht gefesselt wird, die nicht in Worte zu fassen ist. Der Gartenfreund weiß nicht, wo er starten soll, so überwältigend ist der Anblick.

Ein 5-Gänge-Menue im Restaurant Feldkamp in Rosendahl stärkte die interessierten Gartenfreunde, die viele Anregungen mitgenommen haben. Für die Garten AG steht fest, dass weitere Ausflüge dieser Art nicht lange auf sich warten lassen.

[ Text und Bilder: U. Nickel ] [ zum Vergrößern der Bilder bitte klicken ]